Informationen zur Falaise


Die Gobnangou-Falaise ist ein Sandsteinhöhenzug in der Provinz Tapoa. Ihr südliches Ende ist besonders trocken und hufeisenförmig von Naturschutzgebieten eingeschlossen. In dieser extrem armen Region leben etwa 13.000 Menschen buchstäblich von der Hand in den Mund.

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Es gibt keine Straßen, die den Namen verdienen.

Diapaga, http://de.wikipedia.org/wiki/Tapoa, die Hauptstadt der Provinz Tapoa, ist eine Kleinstadt im Südosten mit ca. 4000 Einwohnern, die mit Ouagadougou, der Hauptstadt des Landes, durch eine weitgehend asphaltierte Straße verbunden ist. In die Dörfer der Provinz gelangt man einzig über schwer passierbare Schotterwege mit unzähligen Schlaglöchern. Die wenigen Autos und Lastwagen müssen stets mit Achsenbrüchen, Reifenpannen etc. rechnen. In den Monaten der Regenzeit sind diese Pfade oft überflutet und zumeist nicht befahrbar. Dann leben die Menschen in der Gobnangou-Falaise im wahrsten Sinne des Wortes abgeschottet von der Welt.




Es gibt keinen Strom.

Weil Holz eine extrem rare Energiequelle ist, benutzen die Frauen vor allem Hirsestroh und verholzte Baumwolltriebe zum Kochen, doch auch das ist Mangelware und muss für ein Jahr im Voraus sorgfältig eingeteilt werden. Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es im Dorf dunkel.

Es fehlen sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen.

Auf Grund starker Abholzung trocknen die Böden in der Sonnenhitze aus. Dies senkt den Grundwasserspiegel und erhöht die Wassernot dramatisch. Ist sauberes Wasser bereits ein hohes Gut in Burkina Faso, so haben in der hinteren Falaise lediglich 2 Prozent der Bevölkerung Zugang zu keimfreiem Wasser.

Ärzte und Krankenstationen sind Mangelware.

Es gibt nur drei Ärzte für 373.000 Einwohner in der gesamten Provinz Tapoa. In den wenigen Krankenstationen fehlt es beinahe an allem, was in Deutschland selbstverständlich ist, vor allem an medizinischen Geräten und Medikamenten. Krankheiten, die einfach zu heilen wären, werden oft zur Katastrophe. Infektionskrankheiten sind an der Tagesordnung und gefährlich. Bereits eine kleine Wunde kann bei dem tropischen Klima einen schweren Krankheitsverlauf nach sich ziehen. Hinzu kommt die einseitige Ernährung, die zu Mangelerscheinungen führt.

Die Grundschulausbildung ist überall in Burkina Faso miserabel.

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Offiziell besteht eine Schulpflicht von 10 Jahren. Tatsächlich ist Bildung ein Luxusgut, insbesondere auf dem Land, wo über 80 % der Bevölkerung lebt. Kinder, die eine Paillotte (Hütte aus Stroh) besuchen, die ihre Eltern selbst gebaut haben, und dicht gedrängt auf Steinbänken sitzen, sind dennoch froh über dieses Privileg. Die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit spricht von einem "traurigen Weltrekord", den Burkina Faso in der Grundschulausbildung hält. Offiziell umfasst der Besuch einer Grundschule 6 Jahren und endet mit einer Abschlussprüfung; in der hinteren Falaise waren es noch im Jahr 2009 viel zu oft nur 2 Jahre mit mehr als 100 Schülerinnen und Schüler pro Klasse und Schulwegen bis zu 34 km.



Diese Situation hat sich seitdem in rasantem Tempo verändert. Engagierte Eltern, die mehrfach vergeblich bei der Schulbehörde Grundschulen forderten, bauten in drei Streusiedlungen mit eigenen Mitteln Strohhütten für den Unterricht. Doch Lehrer fehlten. Im Januar 2012 entsandte die Schulbehörde endlich in Anerkennung des Engagements der Eltern die fehlenden Grundschullehrer. Jetzt können  alle Kinder in ihrer Umgebung 6 Jahre lang die Grundschule besuchen, wenngleich in Strohhütten. Tatsächlich stellen sie ein Provisorium dar, da sie zu anfällig bei massivem Regen und Stürmen sind, häufig dabei zusammenbrechen und keinen durchgängigen Unterricht garantieren. Sie eigenen sich deshalb nur als Übergangslösung.

Sprachbarrieren vergrößern das Problem. Die offizielle Unterrichtssprache ist Französisch, eine Sprache, die auf dem Land niemand versteht. Die Schüler müssen die Sprache erst einmal lernen und sprechen sie gewöhnlich nur in Anwesenheit des Lehrers. Sobald sie die Schule verlassen, verständigen sie sich in ihrer Landessprache; 60 verschiedene Sprachen gibt es in Burkina Faso. Das Leistungsniveau leidet unter diesen Bedingungen und hat eine hohe Wiederholer- und Abbrecherrate zur Folge.

Erschwerdend kommt der Mangel an Schulmaterialien hinzu. Laut einer Studie der UNESCO besitzen 79,3 % der Schüler keine eigene Schultafel und 98 % der Schüler kein eigenes Rechenbuch. Schulbibliotheken fehlen gänzlich.

Verschärft wird diese Misere auch noch durch die unzureichende Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Bereits nach dem Kolleg-Abschluss (vergleichbar mit unserer Realschule) kann man sich für den Lehrerberuf entscheiden. Die Lehrerausbildung dauert nur 11 Monate, dann folgt die Abschlussprüfung. Trotzdem herrscht in Burkina Faso ein dramatischer Lehrermangel, insbesondere auf dem Land.